Tausende Rosen in Kirche und Bunker

Installationskunst mit spiritueller Strahlkraft

Schmidt/Region

Tausende Rosen schweben von der Decke im Eingangsbereich der Schmidter Pfarrkirche.Es ist Teil eines sozialen Kunstprojektes „Da haben die Dornen Rosen getragen“ der Künstlerin Caroline Lauscher in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Hubertus in Schmidt.Ende 1944 erlangte das Höhendorf Schmidt traurige Berühmtheit. Westlich der Rurtalsperre gelegen, war es das wichtigste strategische Ziel der Alliierten auf ihrem Eroberungsfeldzug durch Deutschland.

Es gab viele Verluste auf beiden Seiten. Wir gedenken der Menschen, die unter der Tyrannei des Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten und denen, die an den Folgen litten.An diese „Dornen der Vergangenheit“ will die Roseninstallation erinnern. In Folge eines Krieges sind alle Menschen über Generationen von den schlimmen Auswirkungen betroffen. Diese tiefen Einschnitte im Leben unserer Gesellschaft, mit kollektiv traumatischen Folgen, wollen angeschaut werden. Diese Roseninstallation ist eine symbolische Verbindung von Vergangenheit und heute, von Verletzung und Heilung. Im Vordergrund dieses Projektes steht ein prozesshaftes sich Entwickeln einer gemeinsamen Arbeit zu einem großen Ganzen.

„In dieser Solidarität der Mitwirkenden liegt eine große Wirkmächtigkeit.“
Für viele Mitwirkende ist und war diese Arbeit eine meditative Tätigkeit, bei der sie in Erinnerung dieser Zeit in unterschiedlicher Form gedachten. Gerade wir, als die Nachkriegsgeneration fragen uns, was wissen wir über diese Kriegskinder, Frauen und Männer und wie wirkt dieses „Nazigift“, so sagt es Jürgen Wiebeke, noch in unsere Generation hinein.Im gemeinsamen Tun zeigen sich oft Geschichten, wie Flucht, Vertreibung, Armut, Hunger…, die jetzt zum Ausdruck gebracht werden können, in Gedanken und Gesprächen.

Die Generation der Zeitzeugen schwindet, viele fanden keinen Ausdruck für das was sie erlebten.Welcher Ort konnte besser geeignet sein, als die Kirche St. Hubertus in Schmidt, um diese Roseninstallation sichtbar zu machen. Im Kirchenraum hängen die Rosen in einer bunten Fülle. Das Bunte für die Vielfältigkeit der Menschen.Eine zweite Installation ist in einem der Bunker, eine Station des Friedensweges, errichtet worden. Stellvertretend für viele Bunker wo Menschen hofften und bangten, verzweifelten und von Angst getrieben jedem neuen Tag entgegen sahen, erblühen nun mitten in der Wildnis Rosen der Gemeinschaft.

Ein Stück des Bunkers sehen sie in der Kirche im Raum des Friedens, an den Armierungseisen stecken weiße Rosen.Die Rose, die in der christlichen Symbolik Maria zugeordnet ist und als weiße Rose für überwundenes Leid steht. Passend dazu und zum Rosenkranzmonat Oktober wurde unter großer Teilnahme ein „ROSENkranz“ des Friedens gebetet. Dieser liegt nun vorne in der Pfarrkirche zu Füßen Mariens. Jeder, der ein Anliegen oder eine Bitte an Maria hat, kann diese auf einen bereitliegenden Zettel notieren und mit einer gehäkelten Rose bei ihr ablegen.

Bis zum 02. November noch soll die Roseninstallation in der Kirche und im Bunker uns alle verbinden und uns Kraft und Zuversicht geben. Die Pfarrkirche ist täglich von 8-20 Uhr geöffnet. Zum Abschluss wird an Allerseelen um 19 Uhr ein Abschluss Gottesdienst stattfinden, der sowohl aller Verstorbenen, besonders die des letzten Jahres, wie auch aller Gefallenen und Verstorbenen der beiden Weltkriege gedenken soll. Die Messe wird begleitet von der Sängerin Bernadette Fischer. Danach werden die Rosen verpackt und ziehen weiter zur nächsten Ausstellung, welche in verschiedenen Kunstwerken in den nächsten Jahren noch deutschlandweit zusehen sein wird.


Text: Caroline Lauscher, Michaela Fücker
Fotos: Caroline Lauscher, (bvl)

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